Müssen wir jetzt den Asphalt rosarot streichen? Oder welche Stadt wollen wir?

Bericht vom StG5-Treff am 11.Mai 2026

Bei unserem gestrigen StG-Treff sensibilisierte Desislava Zhecheva, Architektin und grüne Stadtverordnete unseren Blick auf die Stadt, als sie uns ihre feministische Perspektive auf die Stadtplanung vorstellte.

Die historisch männerdominierte moderne Stadtplanung entwickelte die Städte autogerecht, mit räumlicher Trennung von Wohnen, Arbeit, Einkaufen. Die Bedürfnisse von Frauen nach Sicherheit, flexiblen und kurzen Wegeketten für Familien- und Arbeitsbelange etc. wurden erst von der Frauenbewegung in den 70-iger Jahren thematisiert.

Die feministische Perspektive in der Stadtplanung hat nicht nur Frauen im Blick, sondern auch die Belange von Kindern, Jugendlichen, von Alten, Behinderten und StadtbewohnerInnen migrantischer Herkunft.

Zentrale Themen sind dabei : Taktung des öffentlichen Verkehrs, konsumfreie Nutzung des öffentlichen Raumes, sichere (gewaltfrei, geschützt durch Beleuchtung, Schattenplätze) öffentliche Orte, Ruhemöglichkeit durch Bänke, Barrierefreiheit, Spielplätze ( u.a. gender -sensibel gebaut), Wegeketten i.S. der 15- Minuten-Stadt, öffentliche Toiletten.

Am Beispiel von Oberrad und Sachsenhausen machte Desislava mit der Frage „für wen funktionieren die Stadtteile, für wen nicht“ ihre Perspektive anschaulich.

Z.B.: die nach dem Berufsverkehr getaktete und von parkenden Autos öfter blockierte Straßenbahn in Oberrad erschwert die Wege Kita-Arbeit-Einkauf für Frauen und Familien, die recht hohe Anzahl von alleinerziehenden Müttern hat erschwerten Zugang zu Bildung und Kultur in Oberrad, wo es wenig entsprechende Angebote gibt. Kinderarmut ist recht hoch.

In Sachsenhausen ist der Zugang zu Bildung und Kultur für alle leichter durch vielfältiges Kita- und Schulangebot in Wohnbereichsnähe. Spielplätze gibt es nicht hinreichend. Das öffentliche Verkehrsnetz ist sehr dicht und vielfältig, was die Mobilität und Zugang zu Angeboten jeder Art in der Stadt erleichtert.

In der nachfolgenden Diskussion wurden die Mängel von Oberrad voll bestätigt, Hinweise auf Mängel und Vorschläge zu Veränderungen in Frankfurt Süd waren zahlreich. Diskutiert wurde auch der Begriff „feministische Perspektive“ als sinnvoll im Forschungsbereich, vielleicht abschreckend für die Öffentlichkeit, eine Stadtplanung für Alle, zu eng, zu weit…

Ein Ergebnis nach dem anregenden Vortrag von Desislava war das Vorhaben von Spaziergängen mit feministischem Blick in den Stadtteilen.

Es bleibt die Frage: Welche Stadt wollen wir?

Fazit: solange die feministische Perspektive keinen Eingang in Ausbildungs-Curricula findet und die Städte berechtigte Belange nach Sicherheit, konsumfreien Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten, Barrierefreiheit städtebaulich zu wenig umsetzen,

ist die Anfangsfrage „Müssen wir jetzt den Asphalt rosarot streichen?“ mit lautem JA zu beantworten.

Gabriele Kocklemus-Jochum

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